Die rote Nacht im Mai. Sehr leise tropfen
der Tänze halbe Töne aus dem Saal.
Sie feiern dort. Und ohne Hast und fahl
sieht man am Himmelsrand ein Feuer in die Schwärze klopfen.

Die Orgel züngelt morgens aus dem Chor
der Kirche. Ein Wurm von Menschen schiebt sich aus dem Tor,
und drüber faltet Staub ein gelb Gewand.
Die Luft zerfließt, die Pest rührt an das Land.

Dort hasten heimlich Spinnen, braune Ratten singen,
der Pfarrer spricht beim Weine ernst von letzten Dingen,
indessen Mütter ihre Töchter noch verstecken.

Am Graben draußen kreisen Mücken noch ums Licht,
die Raben unterm Galgen halten ihr Gericht:
Aus Höhlen stiert der Tote in die Fliederhecken.
 

[Frieden]   August 1986
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