Wenn ich heut an dich denke, seh ich nur dies Bild:
Dein Lachen, deinen Gang, dein blondes Haar.
Nicht dunkel, groß und schlank, als ob für dich nicht gilt,
daß meine Traumfrau immer groß und dunkel war.
Ich sehe dich noch in deinen Jeans, verwaschen und geflickt,
daß du für dein Gewicht etwas klein ausfällst,
verbirgt dein weites Sweatshirt anscheinend sehr geschickt,
noch heute wundert mich, daß mir grad das gefällt.
 Zu spät nach zwei Jahren -
 ich hab uns verspielt,
 der Zug abgefahren,
 nur dein Fahrschein gilt.
 zu spät, - nach zwei Jahren,
 zwei Jahre zu spät.
Manchmal, wenn ich dich sehe, tuts noch weh ganz weit innen,
und ich denk, ich brauch noch mehr Zeit,
meinen Alltag wieder auf solo zu trimmen,
jetzt, mein ich, weiß ich wieder Bescheid.
Kaum zu glauben, wie schnell man sich daran gewöhnt,
daß man morgens nicht allein aufwacht.
Oder daran: wenn im Hörer deine Stimme ertönt
und mein Pulsschlag einen Satz nach oben macht.
Sicher weiß ich, es geht ja auch alleine ganz gut,
und der Starke ist am mächtigsten allein.
Doch dieser Lehrspruch bringt mich schon seit Jahren in Wut:
Soll dies wieder eine Prüfung sein?
 Ich bin allein, ganz richtig,
 denn zusammen werden wir nicht alt.
 Wieder allein, nur das ist wichtig;
 doch warum ist mir jetzt wieder kalt?
Du hast damals nur gesagt, wir sähen uns sehr oft,
und ich spürte schon den Unterton.
Noch wollt ich ihn nicht hören, so unverhofft,
wer glaubt noch nicht Gesagtes schon?
Es ist mir gelungen, hellwach zu werden,
ich hörte eine Woche nichts von dir.
Ich konnte nur zynisch, nicht wütend werden,
zu genau kenn ich diesen Zug von mir.
Da gab ich unsrer Freundschaft den Gnadenschuß,
heut weiß ich, ich hatte damit Recht.
Mit lauwarmen Worten kommt das Eis nicht mehr in Fluß,
dafür gehts mir jetzt recht - und schlecht.
 Ich bin allein, mal wieder,
 die Quarantänezeit ist noch nicht um,
 ich bin allein, nichts lieber,
 die dünne Luft hier bringt mich auch nicht um,
 endlich allein, gerade jetzt,
 zuviel Glück bekommt mir, scheints, nicht gut,
 wieder allein, keine Frage:
 Zu dieser Übung fehlte mir noch nie der Mut.

[Ronny]   März 1986
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